Gesundheitsthemen

Warzen

Warzen (Verrucae): Durch Viren verursachte, ansteckende, aber gutartige Wucherungen der Hornhaut. Am häufigsten finden sich gewöhnliche Warzen, Dornwarzen, Flachwarzen, Dellwarzen und Feigwarzen (sexuell übertragbar!).

Warzen können prinzipiell in allen Bereichen von Haut und Schleimhaut auftreten und sind sowohl auf andere Hautstellen des eigenen Körpers als auch von Mensch zu Mensch übertragbar. Oft heilen sie nach Monaten bis Jahren von selbst. Mitunter ist jedoch eine gezielte Entfernung erforderlich, wenn die Wucherungen beispielsweise andere durch Ansteckung gefährden (Feigwarzen), Schmerzen verursachen (Dornwarzen an der Fußsohle) oder kosmetisch sehr stören.

Alterswarzen gehören nicht zur Gruppe der viral bedingten, ansteckenden Warzen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzlose, derbe, bis erbsengroße Erhebungen auf der Haut mit unregelmäßiger Oberfläche und weißer bis gelblicher Farbe (gewöhnliche Warzen)
  • Flache und oft von einer dicken Hornschicht umgebene Wucherung an der Fußsohle, oft mit einem dunklen Punkt in der Mitte (Dornwarzen)
  • Flache, wenig auffällige, ovale, hautfarbene bis rötlichbraune, weiche Knötchen von 1–4 mm Durchmesser (Flachwarzen)
  • Rötliche oder grauweißliche, bis mehrere Zentimeter große Wucherungen, meist in Gruppen und überwiegend im Anal- und Genitalbereich (Feigwarzen)
  • Linsengroße, perlenähnliche, schmerzlose, rosafarbene Knötchen mit einer charakteristischen Delle in ihrer Mitte (Dellwarzen).

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn

  • gewöhnliche Warzen kosmetisch stören.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Warzen entzündet sind oder bluten
  • Warzen sich auf andere Hauterkrankungen (z. B. eine Neurodermitis) "aufsetzen"
  • Dellwarzen sich rasch ausbreiten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Trotz unterschiedlichstem Aussehen liegt allen Warzen eine Virusinfektion der Haut zugrunde. Mit Ausnahme der Dellwarzen, deren Verursacher das Molluscum-contagiosum-Virus (ein Pockenvirus) ist, werden Warzen durch Humane Papillom Viren (abgekürzt HPV) hervorgerufen.

Die Erreger werden sowohl durch direkten Hautkontakt als auch indirekt durch virushaltige Hautschuppen in Umkleideräumen, Saunen, Schwimmbädern, an Türklinken und Handtüchern übertragen. Die Viren dringen durch winzige Risse in die Oberhaut ein, vermehren sich und lösen an der betreffenden Stelle ein überschießendes Wachstum von Hornzellen aus.

Klinik

Aussehen, Beschwerden und Heilungsaussichten hängen vom Warzentyp ab:

  • Gewöhnliche Warzen (Stachelwarzen, vulgäre Warzen, Verrucae vulgaris) sind mit Abstand die häufigste Warzenform, gekennzeichnet durch schmerzlose, derbe, bis erbsengroße Erhebungen auf der Haut. Ihre Oberfläche ist unregelmäßig und von weißer bis gelblicher Farbe. Bevorzugt entwickeln sich gewöhnliche Warzen auf dem Handrücken, an den Fingern und um den Nagel herum, wo sie einzeln oder beetartig gruppiert auftreten und kosmetisch erheblich stören. In der Regel heilen sie auch ohne Behandlung narbenlos ab und hinterlassen eine gewisse Immunität. Daher ist im Erwachsenenalter das Infektionsrisiko deutlich geringer als bei Kindern und Jugendlichen.
  • Dornwarzen (Stechwarzen, Verrucae plantares) treten an den Fußsohlen auf, wo sie aufgrund der Druckbelastung nicht nach außen wachsen können. Sie sind deshalb flach und oft von einer dicken Hornschicht umgeben. Nicht selten ist in ihrer Mitte ein dunkler Punkt sichtbar, der durch winzige Einblutungen entstanden ist. Dornwarzen können beetartig zusammenfließen und heißen dann Mosaikwarzen (Plantarwarzen). Besonders am Ballen und an der Ferse sind diese Warzen oft schmerzhaft (daher der Name Dorn- bzw. Stechwarze). Dornwarzen kommen nach der Entfernung häufig wieder.
  • Flachwarzen (Verrucae planae) sind flache, wenig auffällige, ovale, hautfarbene bis rötlichbraune, weiche Knötchen von 1–4 mm Durchmesser. Sie neigen zu großflächiger Ausbreitung, besonders im Bereich von Gesicht, Fuß- und Handrücken sowie Unterarmen. Flachwarzen bilden sich meistens ohne Behandlung spontan zurück.
  • Feigwarzen (Feuchtwarzen, Kondylome, Condylomata acuminata) zeigen sich als rötliche oder grauweißliche, bis mehrere Zentimeter große Wucherungen, die meist in Gruppen auftreten und sich überwiegend im Anal- und Genitalbereich von Erwachsenen finden. Sie sind hoch ansteckend und werden überwiegend durch Sexualkontakte übertragen. Obwohl sie in 30 % der Fälle spontan abheilen, müssen sie unbedingt schnellstmöglich vom Arzt behandelt werden. Bestimmte Typen von Feigwarzenviren können bei infizierten Frauen Gebärmutterhalskrebs verursachen.
  • Dellwarzen (Mollusken) sind eigentlich keine Warzen, sehen aber ähnlich aus und werden ebenfalls durch Viren hervorgerufen. Es handelt sich um linsengroße, schmerzlose, rosafarbene Knötchen, die in ihrer Mitte eine charakteristische Delle aufweisen und kleinen Perlen ähneln. Auf Druck geben sie einen weißlichen, virushaltigen Inhalt frei. Dellwarzen kommen häufig an Gesicht, Rumpf, Armen und Beinen vor, insbesondere bei Erwachsenen auch in der Genital- und Analregion. Betroffen sind v. a. Kinder mit trockener Haut (z. B. bei Neurodermitis) und junge Erwachsene, bei denen die Ansteckung nicht selten durch Sexualkontakte erfolgt. Eine erhöhte Anfälligkeit besteht unter dauerhafter äußerlicher Kortisontherapie sowie bei allgemeiner Abwehrschwäche, z. B. nach länger anhaltendem Fieber, nach einer Organtransplantation oder bei HIV-Infektion. Wenn das Immunsystem stabilisiert ist, bilden sie sich in der Regel nach einem halben Jahr spontan zurück.

Verlauf

Warzen bilden sich meist von selbst zurück. Außer bei Feigwarzen, die immer ärztlich behandelt werden sollten, kann man deshalb abwarten.

Diagnosesicherung

Bei Warzen reicht die genaue Inspektion der Wucherung durch den Arzt für eine Diagnose meist aus. Im Zweifel entnimmt er eine Probe und lässt diese feingeweblich untersuchen.

Differenzialdiagnosen. Ähnlich aussehen wie Warzen können z. B. Hornhautschwielen an den Fußsohlen, Milien, der Lichen planus, die Hauttuberkulose oder auch das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs).

Behandlung

Feigwarzen müssen immer behandelt werden. Bei anderen Warzen ist die Entfernung nur dann notwendig, wenn sie ein kosmetisches Problem darstellten, durch eine ungünstige Lage Beschwerden bereiten oder wenn gleichzeitig eine die weitere Aussaat der Warzen begünstigende Hauterkrankung besteht wie z. B. eine Neurodermitis. Zur Warzenbehandlung stehen medikamentöse und operative Verfahren zur Verfügung.

Medikamentöse Therapie

Abschälung der Warze durch Auflösen der Hornschicht. Hierzu eignen sich verschiedene Säuren zum Auftragen wie Salicylsäure (z. B. in Verrucid®), Milchsäure, Harnstoff oder entsprechende Kombinationen (z. B. Duofilm®). Bei Flachwarzen im Gesicht verordnet der Arzt die aus der Aknetherapie bekannte Vitamin-A-Säure (Tretinoin, z. B. in Airol®). Die Präparate können als Lösungen ausschließlich auf das befallene Areal getupft sowie als Cremes (etwa Salicylvaseline 3 %) oder auch als Pflaster (z. B. Guttaplast®) aufgebracht werden.

Damit sich die Hornschicht komplett auflöst, ist es erforderlich, die Präparate mehrmals täglich, besonders vor dem Schlafengehen aufzutragen. Die aufquellende Hornschicht sollte möglichst am nächsten Morgen entfernt werden, z. B. mit einer Feile oder einem Bimsstein. Diese Prozedur erfordert Behutsamkeit, um eine Verletzung benachbarter, gesunder Hautstellen zu vermeiden – sonst können Warzenviren verschleppt werden. Häufig dauert es 3–4 Wochen, bis die Warze vollständig "abgeschält" ist.

Hemmung der Viren. Oft reicht das Abtragen der Hornschicht nicht aus. Dann bietet sich als nächster Schritt an, auf den möglichst gut "abgeschälten" Warzengrund ein virenhemmendes Zytostatikum wie 5-Fluorouracil (z. B. Verrumal®) aufzutragen. Diese Behandlung erfolgt zwei- bis dreimal täglich über mehrere Wochen.

Neben den oben genannten Präparaten gibt es noch eine Reihe weiterer Wirkstoffe, die vom Arzt z. T. auch off-label verschrieben werden. Dazu gehören z. B. der Wirkstoff Imiquimod als Creme, Podophyllin oder auch Dithranolhaltige Präparate.

"Invasive" Therapien

Sie zerstören auf unterschiedlichste Weise die molekulare Bindegewebsstruktur der Warzen. Nicht selten bleiben bei den "invasiven" Therapien jedoch Warzenreste zurück und sie müssen deshalb wiederholt werden.

  • Kürettage mit scharfem Löffel, meist nach Auflösung der Hornschicht mit salicylhaltigem Pflaster über 1– 2 Tage
  • Kältebehandlung mit flüssigem Stickstoff oder einem anderen Kältemittel. Diese Kryotherapie erfordert keine lokale Betäubung, ist aber schmerzhaft. Einige Stunden nach der Behandlung entsteht eine Blase, die abgetragen wird. Häufig bleibt eine Narbe zurück. Die Kryotherapie muss häufig wiederholt werden, bis eine Warze verschwindet.
  • Lasertherapie mit dem gepulsten Farbstofflaser oder dem CO2-Laser. Narbenbildung und Schmerzen sollen nach der Lasertherapie seltener sein.

Sonderfall Dellwarzen

Bei Dellwarzen hängt die Behandlung von der Anzahl ab. Vereinzelt auftretende Dellwarzen lässt man am besten in Ruhe. Manchmal genügt ein "Ausquetschen" der Warze mit anschließender Desinfektion durch Alkohol. Ansonsten lassen sich Dellwarzen mit den gleichen Verfahren wie andere Warzen entfernen.

Prognose

Warzen verschwinden oft von selbst oder lassen sich mit den oben genannten Maßnahmen zunächst gut entfernen. Allerdings sind je nach Art und Befall die Rückfallquoten hoch. In einer Studie an Patienten mit Warzen an der Fußsohle waren 6 Monate nach erfolgreicher Therapie 74 % der Patienten, die mit dem Farbstofflaser behandelt worden waren, noch warzenfrei. In der Kryotherapiegruppe waren dies 54 %, in der CO2-Lasergruppe 48 % und von den Patienten, deren Warzen durch Auflösen der Hornschicht behandelt worden waren 55 %.

Besonders häufig kommen Warzen beispielsweise wieder, wenn sie

  • bei Menschen über > 29 Jahre auftauchen
  • länger als 2 Jahre bestanden haben
  • größer als etwa 2 cm sind
  • an Handflächen oder Fußsohlen sitzen
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem befallen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Viele Warzenmittel zum Entfernen von Warzen sind in Drogerien und Apotheken frei erhältlich. Neben dem Auflösen der Hornschicht durch Säuren wie Salicylsäure, Essigsäure oder Ameisensäure kommt auch das schrittweise Verätzen des Warzengewebes (z. B. mit Silbernitrat in Höllenstein Ätzstift®, Anwendung einmal pro Woche) in Betracht. Außerdem sind auch rezeptfreie Produkte zur Vereisung erhältlich (z. B. Scholl Freeze® Warzenentferner), die angeblich selbst bei sehr hartnäckigen Warzen erfolgreich sind.

Dellwarzen entzünden sich leicht, wenn man sie mechanisch reizt. Danach bilden sie sich oft spontan innerhalb von 1–2 Wochen zurück. Einige Autoren empfehlen, diese Eigenschaft zur Selbsthilfe zu nutzen: nämlich mit einer sauberen Nadel den harten, weißen Kern der Warze anzustechen oder auch "herauszupulen" und so dessen Entzündung zu provozieren. Dabei dürfen jedoch keine gesunden Hautpartien berührt werden, da die Warzenviren durch das Sekret weiterverbreitet werden.

Ein weiteres Selbsthilfeverfahren berücksichtigt die psychischen Aspekte der Warzenentstehung und -bekämpfung. Da ein gut funktionierendes Abwehrsystem Warzen zu zerstören vermag, können Methoden, die das Abwehrsystem stimulieren, die Heilung von Warzen beschleunigen. Auch ist so mancher Betroffene seine Warzen schon mit Behandlungsmethoden aus der Volksmedizin losgeworden, deren Wirkung ausschließlich auf Suggestion beruht.

Komplementärmedizin

Warzenviren verbleiben im Körper und treten bei Abwehrschwächung wiederholt auf. Dementsprechend setzt die Komplementärmedizin auf die Stärkung des Abwehrsystems sowie die Behandlung der Symptomatik mit antiviralen Pflanzenextrakten mit dem Ziel, Warzen von innen auszuheilen.

Hydrotherapie. Zur besseren Abwehrstärkung sind alle durchblutungsfördernden Maßnahmen wie z. B. wechselwarme Arm- oder Fußbäder, Kneippsche Güsse, Wechselbäder und Wassertreten sinnvoll. Warzen heilen oft auch nach Anwendung von Kryotherapie aus: Hierbei wird flüssiger Stickstoff bis zu 20 Sekunden auf die Warzen appliziert. Ebenfalls gute Erfolge konnten mit der Behandlung mit Isopropanol-Lösung (70%ig) erzielt werden: Die Tinktur wird täglich mehrere Wochen lang dreimal aufgetragen.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt Thuja occidentalis als Tinktur zum Auftragen, als Globuli zum Einnehmen oder als Komplexmittel Thuja Oligoplex. Zur Immunstimulation wird Echinacea eingesetzt, bei rissigen oder verhornten Warzen Causticum oder Antimonium crudum.

Pflanzenheilkunde. Aus der Pflanzenheilkunde kommen Knoblauch (in Scheibchen aufgelegt oder aufgebunden) und Schöllkraut (Beiname: Warzenkraut) infrage. Schöllkrautsaft gibt es fertig in der Apotheke, er kann aber auch direkt von der frischen Pflanze auf die Warze aufgetragen werden (Stängel abbrechen und den austretenden gelben Saft auftragen. Da er giftig ist, darf aber nichts auf die Schleimhaut oder in die Augen gelangen!). Auch Zitronensaft, zweimal täglich aufgetragen, soll Warzen zum Abheilen bringen. Das gleiche gilt für selbst hergestellte Apfelessigtinktur: in 1 Teelöffel Apfelessig so viel Kochsalz auflösen wie möglich, dann drei Tropfen Lavendelöl dazugeben und diese Lösung zweimal täglich auf die Warze aufträufeln.

Zur Stärkung des Immunsystems (Immunstimulation) werden auch pflanzliche Präparate wie Sonnenhut (z. B. Echinacin® Madaus als Saft oder Dragees) oder Kombinationsmedikamente wie Esberitox® empfohlen.

Akupunktur. Die Akupunktur wird vornehmlich zur Stimulation des Immunsystems eingesetzt.

Entspannungverfahren. Bei etwa der Hälfte der Patienten gelingt eine Beeinflussung der Warzen über Autosuggestion, die mit Entspannungstechniken (z. B. Autogenes Training) gekoppelt werden kann.

Prävention

  • Kratzen Sie nicht an Warzen herum! Wer eine Warze aufkratzt, riskiert eine Ausbreitung auf den umliegenden Hautbereich, weil Warzen ansteckend sind.
  • Am besten überleben Warzenviren in feuchtem Milieu. Die für Dornwarzen verantwortlichen Viren finden sich oft auf feuchten Böden, z. B. in Bädern oder Saunabetrieben, aber auch in feuchten Handtüchern. Laufen Sie deshalb in öffentlichen Einrichtungen nicht barfuß und benutzen Sie nur eigene Handtücher.
  • Achten Sie auf eine gesunde und trockene Haut. Trocknen Sie sich und Ihre Füße nach Baden, Duschen oder Sauna gut ab, verwenden Sie luftdurchlässige Schuhe.
  • Benutzen Sie Roll-on-Deos nicht gemeinsam mit anderen.
  • Verwenden Sie beim Sex mit unbekannten Personen Kondome.

HPV-Impfung. Seit 2006 gibt es eine Impfung gegen Humane Papillom Viren zum Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs, Penis- und Analkrebs. Geimpft werden Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 17 Jahren, die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Auf dem Markt befinden sich mit Cervarix® und Gardasil 9® zwei Impfstoffe, die beide gegen die hochriskanten HPV-Typen 16 und 18 und dadurch vor der Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs schützen. Gardasil 9® schützt zusätzlich vor 7 weiteren HPV-Typen, von denen 5 potenziell krebserregend (Typen 31, 33, 45, 52 und 58) und 2 für Feigwarzen (Typen 6 und 11) verantwortlich sind. Für Cervarix® ist eine Kreuzprotektion gegen die Typen 31, 33 und 45 beschrieben.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski

Selbstbräuner im Ökotest

Gefahr für die Haut?

Selbstbräuner gelten oft als gesunde Möglichkeit, sich einen sommerfrischen Teint zu verschaffen. Doch das stimmt nicht immer: Viele Produkte enthalten kritische Inhaltsstoffe, die der Haut nicht guttun.

Gefährlicher Zucker

Selbstbräuner sind Lotionen oder Cremes, die auf die Haut aufgetragen innerhalb weniger Stunden eine Sommerbräune zaubern. Verantwortlich dafür ist meist der Wirkstoff Dihydroxyaceton, kurz DHA. DHA ist ein zuckerartiges Molekül, das mit den Eiweißen in der obersten Hautschicht reagiert und dadurch die Haut braun färbt. Und zwar umso dunkler, je mehr DHA enthalten ist. Weil sich die Hornschicht alle paar Tage abschilfert und erneuert, hält der Effekt allerdings nur etwa drei bis fünf Tage an. Wer langfristig gebräunt sein will, muss also regelmäßig nachschmieren.

Laut Ökotest ist allerdings ausgerechnet der Braunmacher DHA kritisch für die Anwender*in: Er setzt unter Einwirkung von Wärme nach und nach Formaldehyd frei. Formaldehyd gilt jedoch als hautreizend und ist häufig für Kontaktallergien verantwortlich. In der Atemluft wird es zudem als krebserregend eingestuft. In Kosmetika ist Formaldehyd deshalb seit 2019 tabu.

Formaldehyd-Abspalter wie DHA dürfen aber weiterverwendet werden. Übersteigt jedoch die Konzentration 0,05 Prozent des Kosmetikprodukts, muss der Hersteller „enthält Formaldehyd“ auf die Verpackung schreiben.

Erythrulose ist stabiler

Bei vielen der von Ökotest untersuchten Selbstbräuner war Formaldehyd nachzuweisen, zum Glück jedoch bei keinem der Produkte überhalb des Grenzwerts. Dennoch bemängeln die Untersucher*innen, dass es überhaupt noch Selbstbräuner mit Formaldehyd-Anteilen gibt. Denn einige Hersteller haben das Problem im Griff – ihre Präparate sind formaldehydfrei.

Zumal es eine Alternative zu DHA gibt: Erythrulose. Dieser Einfachzucker färbt die Haut ebenfalls braun, ist aber stabiler und daher weniger anfällig für die Formaldehyd-Problematik, schreibt Ökotest. Der Bräunungseffekt setzt zwar langsamer ein, hält dafür aber länger an. Weil Erythrulose aber deutlich teurer ist als DHA, wird sie in Selbstbräunern meist nur sehr sparsam und in Kombination mit DHA eingesetzt.

Schädliche Duft- und Kunststoffe

Doch Ökotest hat auch noch weitere schädliche Stoffe in den untersuchten Selbstbräunern gefunden. Duftstoffe wie Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal und Isoeugenol lösen beispielsweise Kontaktallergien aus. Der Maiglöckchenduft Lilial soll die Fruchtbarkeit gefährden. Auch die Zugabe von künstlichem Moschusduft bemängelt Ökotest: Er reichert sich in Geweben an, gelangt in die Muttermilch und ist in der Umwelt kaum abbaubar. Problematisch sind auch Kunststoffe, allen voran Siloxan D4, das die Umwelt belastet und ebenfalls fortpflanzungsgefährdend sein soll.

Aufgrund der kritischen Inhaltsstoffe fielen beim Selbstbräuner-Test von Ökotest zwei Drittel der Produkte durch. Nur ein Präparat hat die Bestnote bekommen, zwei waren immerhin „gut“. Überraschend ist, dass auch die Kandidaten aus der Naturkosmetik nur mangelhaft oder ungenügend abgeschnitten haben.

Die Bräune aus Spray oder Tube ist also durchaus kritisch zu sehen, meint Ökotest. Wer auf Selbstbräuner nicht verzichten möchte, sollte daher folgende Tipps beachten:

  • Beim Kauf die Inhaltsstoffe genau prüfen. Wem das zu lästig ist, der informiert sich am besten bei Fachpersonal wie Apotheker*innen.
  • Selbstbräuner möglichst kühl lagern und schnell aufbrauchen. Auf diese Weise lässt sich der Zerfall des DHA zu Formaldehyd zumindest reduzieren.
  • Sonnenschutz nicht vergessen. Künstliche Bräune bietet keinerlei Schutz vor UV-Strahlung. Wer sich für den Strandauftritt aus der Tube bräunen möchte, muss nach dem Eincremen warten, bis der Selbstbräuner eingezogen ist und danach die passende Sonnencreme auftragen. Verwendet man den Selbstbräuner schon am Abend vor dem Sonnenbad, entfällt das lästige Warten.
  • Auf Hautreaktionen achten. Manche Menschen entwickeln auf Selbstbräuner eine Kontaktallergie. Treten Ekzeme oder Juckreiz auf, sollte man ganz auf sie verzichten. Bei ausgeprägten Beschwerden ist der Gang in die Hautarztpraxis ratsam.

Quelle: Ökotest

19.08.2021 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: Nadya Korobkova/Shutterstock.com