Gesundheitsthemen

Familienplanung

Sexualität auszuleben, ohne dabei Kinder zu zeugen - das war schon immer ein menschliches Ansinnen. Allerdings standen Jahrhunderte lang keine sicheren Verhütungsmethoden zur Verfügung. Rund 40 Jahre nach Einführung der Antibabypille ist Empfängnisverhütung dagegen so selbstverständlich, dass Kriterien wie Bequemlichkeit, Kosten oder Natürlichkeit bei der Auswahl der Methode in den Mittelpunkt rücken. Wir haben für Sie alles Wichtige zu den einzelnen Verfahren zusammengestellt - von der Wirkungsweise über die Vor- und Nachteile bis hin zu den Kosten.
Bildquelle: wavebreakmedia/Shutterstock.com

Eine Pille für Gesunde?

Gegen Herzinfarkt und Schlaganfall

Täglich eine kleine Pille mit mehreren Herz-Kreislauf-Wirkstoffen schlucken und schon ist man geschützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall? Diese Idee wird immer wieder diskutiert. Im Iran haben jetzt Forscher an knapp 7000 Über-50-Jährigen untersucht, was die regelmäßige Einnahme einer solchen Polypille tatsächlich bringt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen weltweit zu

Bei Arteriosklerose oder nach überstandenem Herzinfarkt gibt es täglich Acetylsalicylsäure (ASS), hohen Blutdruck senkt man mit Blutdrucksenkern und erhöhte Blutfette mit Statinen. So weit, so gut. Doch wie wäre es, alle Wirkstoffe in eine Pille zu packen und diese schon zu schlucken, bevor sich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt? Dieses Konzept spukt schon länger in ärztlichen Köpfen herum, und in Anbetracht der weltweit zunehmenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wäre eine solche Polypille ein kostengünstiges und einfaches Werkzeug, Prävention zu betreiben.

Alles drin, was wirkt 

Den Effekt einer solchen Polypille haben jetzt iranische Forscher in einer Studie getestet. Teilnehmer waren knapp 7000 Über-50-Jährige iranische Landbewohner, von denen 90% zu Beginn der Studie keine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt: Die eine erhielt Beratungen bezüglich eines gesunden Lebensstils, die andere Beratung und zusätzlich täglich eine Polypille. Darin steckten – jeweils in niedriger Dosierung – ASS, das Diuretikum Hydrochlorothiazid und Enalapril oder Valsartan gegen Bluthochdruck und Atorvastatin, ein Cholesterinsenker.

Weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte

Im Studienverlauf über 5 Jahre entwickelten 8,8% der Beratungs-Gruppe ein kardiovaskuläres Ereignis wie Schlaganfall oder Herzinfarkt, in der Polypillen-Gruppe dagegen nur 5,9%. Die Polypille führte damit zu einer relativen Risikoreduktion von 34% gegenüber der Kontrollgruppe. Auch bei den Teilnehmern, die schon zu Beginn der Studie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, konnte die Polypille punkten: Hier erlitten 21% der Beratungs-Gruppe einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und nur 17% der Patienten der Polypillen-Gruppe. Damit sei die Polypille ein vielversprechender Ansatz, auch in breiten Bevölkerungsgruppen eine kostengünstige Herz-Kreislauf-Prävention zu betreiben, betonen die Autoren.

Nebenwirkungen inbegriffen?

Das Konzept der Polypille wird von vielen Medizinern aber auch durchaus kritisch betrachtet: Immerhin bekämen gesunde Menschen täglich pharmakologische Wirkstoffe, die Nebenwirkungen, im Falle von ASS z. B. Blutungen, verursachen können. Außerdem sind die Wirkstoffe in der Polypille in starrer Dosierung enthalten. Viele Mediziner empfehlen deshalb ihren Patienten, regelmäßig ihr Herz-Kreislauf-Risiko checken zu lassen. Im Falle einzelner Risiken obliegt es dann dem Arzt, eine spezielle, individuell angepasste Prävention zu empfehlen. Und last but not least ist die gesündeste Herz-Kreislauf-Prävention eine gesunde Lebensweise inklusive einem Verzicht aufs Rauchen.

Quelle: Ärzteblatt

05.09.2019 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: Africa Studio/Shutterstock.com